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Wirtschaft
Wirtschaftslage/Wirtschafts- und Sozialstruktur
Tunesien entwickelte sich in den letzten eineinhalb Jahrzehnten wirtschafts-
und sozialpolitisch sehr erfolgreich. Das Land hat sich in Afrika und im Maghreb
als Schwellenland eine Spitzenposition erarbeitet. Durch die Assoziation mit der
EU will Tunesien in den Kreis der Industrieländer aufsteigen.
Seitdem 1986 mit Unterstützung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und
der Weltbank ein Strukturanpassungsprogramm eingeleitet wurde, setzt Tunesien
auf den Rückzug des Staates aus der Wirtschaft, die Förderung der
Privatwirtschaft und die Integration in die Weltwirtschaft. Internationale
Beobachter bescheinigen Tunesien in den vergangenen 15 Jahren eine
makroökonomische Erfolgspolitik mit Wachstumsraten von meist über 5%. Im
Rahmen des 9. Entwicklungsplans von 1997 bis 2001 wuchs das Bruttoinlandsprodukt
um durchschnittlich 5,3% (2001: 4,9%, 2002 1,7%). Im gleichen Zeitraum betrug
die durchschnittliche Inflationsrate 2,9%. Für 2003 wird mit einem Wachstum von
bis zu 5% gerechnet.
Tunesien legte im Rahmen dieser Entwicklungsstrategie größten Wert auf die
Entwicklung seiner menschlichen Ressourcen. Die Einschulungsrate liegt bei
nahezu 100%. Durchschnittlich 25,5% des Staatshaushalts flossen zwischen 1996
und 2001 in Erziehung und Hochschulbildung.
Die weitgehende Emanzipation der Frauen wurde bereits in der ersten
Verfassung des Landes festgelegt, Tunesien spielt hier eine Vorreiterrolle in
der arabischen Welt. 24% der Frauen waren 2001 außerhalb der Familie
berufstätig. Sie stellen 50% der Lehrkräfte und 40% der Staatsbediensteten. Im
Jahr 2002 waren 54% der Studierenden Frauen. Die Zahl der Unternehmerinnen in
Tunesien wurde für das Jahr 2002 mit 5.000 angegeben.
Das Pro-Kopf-Einkommen der Bevölkerung betrug 1969 113 tunesische Dinar (TND),
im Jahr 2001 2.841 TND (2.136 EUR). Dies ist derzeit das höchste
Pro-Kopf-Einkommen in Nordafrika nach Libyen. Der Anteil der Menschen, die unter
der Armutsgrenze leben, konnte von 13% (1980) auf 4,2 % (2000) gesenkt werden.
Das Bevölkerungswachstum (2002: 1,0%) wird nach tunesischen Angaben bis 2004
auf 0,9% sinken. Die Lebenserwartung betrug im Jahr 2000 72,2 Jahre. Auf 1.155
Einwohner kam im Jahr 2003 ein Arzt. Derzeit sind rund 80% von der Kranken- und
Sozialversicherung erfasst. Tunesien besitzt eine ausgeprägte Mittelschicht,
der 80% der Bevölkerung zugerechnet werden. Ferner besitzen 80% der
Bevölkerung Wohneigentum. Dies hatte eine in der Region bislang unerreichte
wirtschaftliche und soziale Stabilität zur Folge.
Im Rahmen der Umsetzung des Assoziationsabkommens mit der EU wuchsen die
tunesischen Exporte in die EU zwischen 1997 und 2001 jährlich um
durchschnittlich 5,5%, die tunesischen Importe aus dem EU-Raum im gleichen
Zeitraum um 11%. Die Stärkung der Wettbewerbs- und Exportfähigkeit des Landes
stellt daher im Hinblick auf die Verwirklichung der Zollunion mit der EU im
Jahre 2008 eine zentrale Aufgabe dar.
Dieses Vorhaben ist wichtiges Element des 10. Entwicklungsplans für den
Zeitraum 2002/2006 . Hier liegen die Prioritäten bei der Reduzierung der
Arbeitslosigkeit (derzeit nach offiziellen Angaben 14,3%; Schaffung von 380.000
Arbeitsplätzen), der Modernisierung der Wirtschaft und dem Aufbau einer
Wissensgesellschaft bei gleichzeitiger Festigung der wirtschaftlichen und
sozialen Errungenschaften. Das Wirtschaftswachstum soll in diesem Zeitraum
durchschnittlich 5,5% betragen. Das Pro-Kopf-Einkommen soll 2006 4.098 TND (rd.
3.100 EUR) erreichen. Für die Realisierung des 10. Plans veranschlagt die
tunesische Regierung 44 Mrd. USD (davon 34 Mrd. Investitionen). Das Land will
den größten Teil (72%) selbst aufbringen, nicht zuletzt durch die Steigerung
der nationalen Sparleistung von 68% auf 72% mit Hilfe eines optimierten Banken-
und Versicherungssystems. Das Haushaltsdefizit soll 2006 2% betragen (2002:
2,6%, 2001: 3,3%). Gleichzeitig zielt der Plan auf die Mobilisierung von
ausländischem Kapital in Höhe von 12,5 Mrd. USD (3,6 Mrd. USD in Form von
ausländischen Investitionen, 4,3 Mrd. USD in Form von Zuschüssen und
Vorzugskrediten sowie 4,6 Mrd. USD in Form von Bankkrediten und Anleihen).
Tunesiens Zugang zu den internationalen Kreditmärkten wird von
internationalen Beobachtern positiv eingeschätzt. Das Land beantragte bislang
weder eine Fristverlängerung für die Rückzahlung von erhaltenen Krediten noch
eine Umschuldung. Die Auslandsverschuldungsrate lag 2002 bei 53,5% (2000:
51,7%). Der Schuldendienstkoeffizient betrug nach Angaben der tunesischen
Zentralbank 2001 13,3% (2000: 19,4%, 1999: 15,5%). Für 2002 wurden 16,7%
prognostiziert.
Das Kreditrating beträgt bei Standard&Poors BBB (Jahre 2000/2001/2002),
bei Moody’s 2003 Baa2 (2000/2001/2002: Baa3) und bei Fitch IBCA BBB. Das
Handelsbilanzdefizit konnte daher bislang durch internationale Kreditaufnahme
kompensiert werden.
Das Jahr 2002 stellte für Tunesien allerdings erstmals eine ökonomische
Herausforderung dar. Eine seit über drei Jahren anhaltende, mittlerweile
beendete, Dürre mit Einbrüchen in der landwirtschaftlichen Produktion um bis
zu zwei Drittel, die stagnierende Weltkonjunktur sowie die Terroranschläge am
11. September 2001 in den USA und auf Djerba am 11. April 2002 mit negativen
Auswirkungen auf Handel, Transport und Tourismus (der Tourismus hat einen Anteil
von 7% am tunesischen BIP mit 340.000 Arbeitsplätzen) reduzierte das Wachstum
2002 auf 1,7%. Tunesien hofft jedoch, diesen konjunkturellen Einschnitt durch
neue wirtschaftliche Dynamik im Jahr 2003 kompensieren zu können. An erster
Stelle der Bemühungen stehen die Schaffung von Arbeitsplätzen und die
Verbesserung der Wettbewerbs- und Exportfähigkeit der tunesischen Wirtschaft
(Reformen im administrativen, rechtlichen und finanziellen Bereich,
Privatisierung, Gründung von Unternehmungen, aber auch Förderung von
beruflicher Bildung sowie von Wissenschaft und Forschung).
Die ausländischen Direktinvestitionen betrugen im Jahr 2001 718,3 Mio. TND /
rd. 540 Mio. EUR und im Jahr 2002 1,056 Mrd. TND / rd. 812 Mio. EUR (+47,0%).
Rohstoffe
Tunesien ist ein relativ rohstoffarmes Land. Im Jahr 2001 wurden etwa 3,4
Mio. t Erdöl produziert; damit verringerte sich die Produktion um 8,6%
gegenüber dem Vorjahr. Die Erdgasproduktion betrug im Jahr 2001 2,25 Mio. cbm
und lag damit um 13,6% über dem Vorjahr.Tunesien verfügt über große
Phosphatlagerstätten (2001 wurden 8,5 Mio. t Phosphat produziert); es ist
viertgrößter Weltproduzent von Phosphaten und zweitgrößter Exporteur von
Phosphatdüngern. Im Landwirtschaftsbereich ist Tunesien weltweit der
drittgrößte Olivenöl-Exporteur.
Wirtschaftssektoren
Wichtigste Wirtschaftszweige ( 2001, Anteil am
Bruttoinlandsprodukt in %) sind:
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Dienstleistungssektor
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- Tourismus
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7,1%
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- Transport und Telekommunikation
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9,7%
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- sonstige Dienstleistungen
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36,3%
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Landwirtschaft/ Fischerei
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13,5%
(1/3 aller Beschäftigten)
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Industrie
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- verarbeitende Industrie
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21,1%
|
| - nicht verarbeitende Industrie |
12,2%
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Investitionsbedingungen
Das Investitionsklima in Tunesien ist gut. Ausländische Investoren schätzen
die politische, wirtschaftliche und soziale Stabilität des Landes, außerdem
die geographische Nähe zu Europa. Ein Investitionsgesetz, das seit 01.01.1994
in Kraft ist, sowie weitere Förderinstrumente stellen zusätzliche
Investitionsanreize in Aussicht.
Die Tunesische Förderagentur für ausländische Investitionen (FIPA,
www.investintunisia.com) weist insbesondere auf Investitionsmöglichkeiten in
den Bereichen Privatisierung (bis 2001 wurden 159 Unternehmen privatisiert),
Konzessionierung, internationale technologische Partnerschaften und ein breites
Spektrum von Sektoren hin (Elektrik, Elektronik, Kfz-Zulieferindustrie, Textil,
Leder, Agrar-Business, Pharma, Verpackung, Informationstechnologie sowie
Tourismus).
Ende 2001 waren 2.339 ausländische Firmen oder Joint-Ventures in Tunesien
aktiv, mit 215.300 Beschäftigten. 85% der ausländischen Firmen exportieren
100% ihrer Produkte. Der Anteil der verarbeitenden Industrie stieg von 18% im
Jahr 1996 auf 33% im Jahr 2001.
Zwischen Deutschland und Tunesien bestehen ein Investitionsförder- und –schutz-
sowie ein Doppelbesteuerungsabkommen.
Siehe hierzu auch die Informationen der Deutsch-Tunesischen Industrie- und
Handelskammer Tunis.
Informationen zu Messeaktivitäten/Ausschreibungen finden Sie dort ebenfalls:
Tel.: 00216-71-965 280
Fax: 00216-71-964 553
E-Mail: info@ahktunis.org
www.ahktunis.org
Außenwirtschaft und Außenhandel
Die außenwirtschaftlichen Beziehungen Tunesiens sind stark auf die EU
ausgerichtet. Nach Angaben der tunesischen Zentralbank betrugen die tunesischen
Exporte in die EU 2002 6,024 Mrd. EUR gegenüber 4,807 Mrd. EUR im Jahr 2000 die
EU hatte am tunesischen Gesamtexport 2001 einen Anteil von 79,9%, davon
Frankreich 28,9%, Italien 23,2% und Deutschland 11,7%. Die tunesischen Importe
aus der EU betrugen 2002 7,534 Mrd. EUR gegenüber 6,218 Mrd. EUR im Jahr 2000.
Die EU hatte an den tunesischen Gesamtimporten einen Anteil von 70,6%, davon
Frankreich 26,3%, Italien 19,1% und Deutschland 9,6%.
Wichtigste Ausfuhrgüter sind Textilien, Erdölprodukte, Phosphatprodukte
(Düngemittel), Phosphate und elektromechanische Güter. Landwirtschaftliche
Exportprodukte (insbesondere Olivenöl, Datteln und Zitrusfrüchte) sind zwar in
absoluten Zahlen von nachgeordneter Bedeutung, spielen aber eine große
arbeitsmarktpolitische Rolle. Wichtigste Einfuhrgüter sind Maschinen,
Textilien, Kraftfahrzeuge, Erdölprodukte und Getreide.
Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen
Weltbank und IWF (14.4.1958), GATT/WTO (vorläufig beigetreten 21.05.1960,
Vollmitglied seit 29.03.1995), Assoziationsabkommen mit der EU (unterzeichnet
1995).
Wirtschaftsdatenblatt
Tunesische Republik / République
tunisienne
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2002 |
2003 |
1. Bevölkerung
|
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Einwohner in Mio.
|
9,7 |
9,8 |
Wachstum in v.H.
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1,1 |
1,08 |
2. Bruttoinlandsprodukt (oder BIP)
|
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BIP insgesamt (zu Marktpreisen in EUR oder
USD)
|
21,2 Mrd.. USD |
|
BIP pro Kopf der Bevölkerung (zu
Marktpreisen in EUR oder USD)
|
2.160,- USD |
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reales Wachstum in v.H.
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1,7 % |
5,5 % |
Inflationsrate
|
2,8 % |
2,5 % |
3. Staatshaushalt
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| Umfang und Saldo in v.H. des BSP |
10,6 Mio. DT, 24,6 %
|
10,6 Mio. DT |
Staatsverschuldung intern in v.H. des BSP
|
24,3% |
23,0% |
Staatsverschuldung international in v.H. des
BSP
|
37,6% |
38,6% |
4. Zahlungsbilanz
|
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Waren- und Dienstleistungsverkehr,
Kapitalverkehr
|
-3,5 Mrd. USD |
|
| Devisenbilanz, Bestandsveränderungen der
Devisenreserven |
1,7 Mrd. USD
(- 0,5 Mio. USD)
|
|
| 5. Außenverschuldung und
Schuldendienstquote |
12,9 % der Exporte = 10,8 Mrd. USD
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| 6. Währung |
1,- EUR = 1,4 DT
|
1,- EUR=1,5 DT |
7. Bilaterale Beziehungen
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| Außenhandel mit Deutschland |
1,934 Mrd. Euro
|
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Einfuhren nach Tunesien
(absolut)
(prozentual) |
985 Mio. Euro
9,6%
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Ausfuhren aus Tunesien
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(absolut)
(prozentual) |
948,5 Mio. Euro
12,5%
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Stellenwert des Handels:
Deutschland:
Gastland: |
-
Nr. 3
|
-
Nr. 3 |
| Deutsche Direktinvestitionen: |
|
ca. 240 Mio. Euro
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| Investitionsschutzvertrag von |
1966
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Doppelbesteuerungsabkommen von
|
1975 |
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