Außenpolitik
Grundlinien der Außenpolitik
Das Land verfolgt in außenpolitischen Fragen einen gemäßigten und auf
Ausgleich bedachten Kurs. Grundanliegen der tunesischen Außenpolitik sind
Friedenssicherung, Konfliktverhütung, Terrorismusbekämpfung, internationale
Zusammenarbeit und Kampf gegen Armut.
Tunesien sieht sich aufgrund von Geographie und Geschichte als Mittler zwischen
arabischer Welt, Europa und Afrika. Wirtschaftlich überwiegt die Ausrichtung
auf Europa, im übrigen wird die Identität des Landes am nachhaltigsten durch
die arabisch-islamische Tradition geprägt. Den Beziehungen zu den arabischen
Staaten gilt das besondere Interesse.
Außenpolitik im multilateralen Rahmen
Tunesien gehört zur Gruppe der 77 und zur Bewegung der Blockfreien. In den
Jahren 2000 und 2001 war es nicht-ständiges Mitglied im Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen. Im Juni 1994 hat Tunesien für ein Jahr die Präsidentschaft
der Organisation Afrikanischer Einheit (OAU) übernommen. Tunesien setzt sich im
Rahmen der regionalen Kooperation für eine Fortentwicklung des
Barcelona-Prozesses und des Dialogs 5 + 5 der Mittelmeergruppe ein. Am
05./06.12.2003 fand ein Gipfel der 5+5 Mittelmeergruppe in Tunis statt.
Beziehungen zu anderen arabischen Staaten
Tunesien pflegt mit den arabischen Staaten gute Beziehungen und spielt eine
aktive Rolle in innerarabischen Angelegenheiten. Besonders intensiv ist die
Kontaktpflege zu den beiden unmittelbaren Nachbarn Algerien und Libyen (im Mai
2003 Besuch Gaddafis in Tunis).
An der Gründung der Union des Arabischen Maghreb (UMA) 1989 war Tunesien
aktiv beteiligt. Es stellt seit dem Gipfel von Casablanca (15./16.09.1991) den
Generalsekretär Boulares und ist Sitz der wirtschaftlichen und finanziellen
Institutionen der UMA. Bilaterale Meinungsverschiedenheiten haben die
Aktivitäten der UMA in den letzten Jahren allerdings eingeschränkt. Tunesien
bemüht sich aktiv um eine Revitalisierung der UMA.
Im Jahr 2004 übernimmt Tunesien turnusgemäß den Vorsitz in der Arabischen
Liga.
Die Golfstaaten, Kuwait und Saudi-Arabien haben ihre Investitionstätigkeit
im Lande wieder verstärkt. Im April 1996 nahm Tunesien offizielle Beziehungen
zu Israel unterhalb der diplomatischen Ebene auf, die 2001 als Reaktion auf die
Politik Israels wieder abgebrochen wurden. Tunesien hat sich in der Irakfrage
von Anfang an für eine politisch-diplomatische Lösung eingesetzt. Der
Kriegsausbruch wurde hier wie in vielen anderen Ländern mit großer Sorge
betrachtet. Die Bemühungen Deutschlands, Frankreichs und Russlands im
VN-Sicherheitsrat um eine politische Lösung haben hier ein sehr positives Echo
gefunden.
Beziehungen zur Europäischen Union
Eine Grundkonstante der tunesischen Außenpolitik sind die Beziehungen zur
Europäischen Union. Wichtigste EU-Partner Tunesiens sind Frankreich, Italien
und Deutschland.
1995 schloss Tunesien als erstes arabisches Land ein Assoziationsabkommen,
das die Herstellung einer Zollunion mit der EU bis zum Jahr 2008 vorsieht.
Dieses Abkommen befindet sich derzeit in der Umsetzungsphase. Die Assoziierung
mit der EU ist ein Schwerpunkt tunesischer Außen- und Außenwirtschaftspolitik.
80% des tunesischen Außenhandels werden mit der EU abgewickelt. 80% der
ausländischen Investitionen in Tunesien stammen aus der EU; über zwei Drittel
der tunesischen Einnahmen aus dem Tourismus kommen aus der EU ; ebenso rund 80%
der Gastarbeiter-Überweisungen.
Die EU zählt zu den wichtigsten Gebern von Entwicklungshilfe an Tunesien
(über die EU-Kommission und die Europäische Investitionsbank; seit 1978 über
1,3 Mrd. EUR; 1995-2001 wurden aus MEDA-Mitteln 593,7 Mio. EUR zugesagt, für
2002 weitere 92,7 Mio. EUR). Über 25% dieser EU-Budget-Mittel stammen aus den
Beiträgen Deutschlands. Die Mittel der EU wie auch die bilaterale Hilfe der
EU-Mitgliedsstaaten haben zum Ziel, Tunesien auf die Zollunion mit der EU
vorzubereiten und die Wettbewerbsfähigkeit der tunesischen Wirtschaft zu
fördern.
Über die Integration in den EU-Wirtschaftsraum verfolgt Tunesien
gleichzeitig eine weltwirtschaftliche Öffnung. Außerdem versucht das Land,
sich durch Initiativen zur regionalen Integration und durch bilaterale
Freihandelsabkommen als wirtschaftliche Drehscheibe zwischen Europa, Nordafrika
und der arabischen Welt zu profilieren.
Verhältnis zu den USA
Zu den USA unterhält Tunesien freundschaftliche Beziehungen. Diese
manifestieren sich in einer vertieften wirtschaftlichen, politischen und
sicherheitsrelevanten Zusammenarbeit. Nach den Anschlägen vom 11. September
2001 betonte Tunesien seine Zugehörigkeit zur Antiterrorallianz.
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