Wirtschaft
Grundlinien der Wirtschaftspolitik
Die marokkanische Regierung stützt seit dem Jahr 2000 ihre mittelfristige
Wirtschafts- und Sozialpolitik auf den "Plan zur sozialen und
wirtschaftlichen Entwicklung 2000-2004" (PDES). Zielsetzung ist die
Bekämpfung der Armut durch dauerhaft hohes Wirtschaftswachstum und Schaffung
neuer Arbeitsplätze, deren Realisierung durch Stärkung der internationalen
Wettbewerbsfähigkeit der marokkanischen Wirtschaft und durch Förderung von in-
und ausländischen Investitionen erreicht werden soll. Vorgegeben ist außerdem
die wirtschaftliche Integration in Regionalmärkte (wie EU) und Weltmarkt, die
gleichzeitig zur Modernisierung des marokkanischen Mittelstands beitragen soll.
Wirtschaftslage
Die Landwirtschaft blieb 2003 mit 16% des BIP wichtigster Wirtschaftsfaktor
Marokkos. Da 43% der erwerbstätigen Bevölkerung dort Arbeit findet, bestimmt
sie grundlegend das wirtschafts- und sozialpolitische Gesamtklima. Dies war 2003
mit Einschränkungen positiv, denn fast 60% höhere Ernteerträge als im Vorjahr
waren Grundlage für ein Wirtschaftswachstum von 5,5%. Die Sektoren Handel,
Transport, Kommunikation und Bau trugen gleichfalls zum Wachstum des BIP bei,
das ohne Landwirtschaft einen Zuwachs von 3,2% (Vorjahr 2,8%) erreichte. Schwach
blieb die Produktion von Textil und Leder mit Absatzrückgängen.
Zu den guten Wirtschaftsdaten gehörten außerdem eine niedrige
Inflationsrate (1,2%, Vorjahr: 2,8%), trotz der weltweit schlechten
Rahmenbedingungen überraschend hohe Einkünfte aus dem Tourismus (2,9 Mrd.
Euro), unerwartet starke Privatisierungseinnahmen, andauernde stabile
Devisenüberweisungen der Auslandsmarokkaner (3,4 Mrd. Euro) und die
Rückführung des Haushaltsdefizits. Die Devisenguthaben der Zentralbank
beliefen sich auf stattliche 12,2 Mrd. Euro. Auf dem Geldmarkt herrschte im
zweiten Jahr in Folge Überliquidität.
Einen negativen Akzent setzte das wachsende Außenhandelsdefizit, das mit 5,2
Mrd. Euro erstmals die 5 Mrd. Eurogrenze (plus 18,7%) überschritt. Auch 2003
bekam man die hohen Personalausgaben des Staates und die Arbeitslosigkeit
(12,8%) nicht in den Griff.
Reformen
Arbeits- und Sozialrechtsreformen
2003 wurde ein neues Arbeitsgesetz (Code de travail) verabschiedet, das am
07.06.2004 in Kraft treten wird. Streiks, ursprünglich Bestandteil des
Arbeitsgesetzentwurfs, wurden aus dem Gesetz herausgelöst, um 2004 in einem
eigenen Streikgesetz geregelt zu werden.
Das neue Gesetz regelt u.a. Rechte und Pflichten der Gewerkschaften.
Arbeitsrechtsnormen wurden internationalen Standards angepasst. Arbeit von
Kindern unter fünfzehn Jahren wurde unter Strafandrohung verboten, Arbeit für
Jugendliche unter achtzehn Jahren darf deren "Sittlichkeit",
Gesundheit und Leben nicht gefährden. Der Mutterschutz wurde erweitert.
Eine Novelle zum Gesetz über Arbeitsunfälle ist in Vorbereitung. Eine
Rentenreform beinhaltet u.a. Möglichkeiten der Frühverrentung.
Finanzmarktreform
Die Reform des Finanzmarkts wurde durch ein neues Bankengesetz in Angriff
genommen, das 2004 verabschiedet werden soll. Die Zentralbank erhält hierdurch
Autonomie und übernimmt die Verantwortung für die Leistungsfähigkeit der
Banken- und Finanzmarktaufsicht.
Der Schritt fügt sich in das politische Gesamtkonzept der Dezentralisierung
und der staatlichen Entflechtung ein.
Außenwirtschaft
Freihandel und Liberalisierung
Am 25.02.2004 wurde auf Initiative Marokkos ein Übereinkommen zur Errichtung
einer Freihandelszone der arabischen Mittelmeerstaaten Ägypten, Jordanien,
Tunesien und Marokko unterzeichnet. Die Signatarstaaten sind durch
Assoziierungsabkommen mit der EU verbunden. Andere arabische Staaten sind
aufgefordert, dem Übereinkommen beizutreten. Die "Agadir-Staaten"
sehen sich als Kern einer zu erweiternden arabischen Wirtschaftsgemeinschaft um
das Mittelmeer. Mit der Unterzeichnung des Freihandelsübereinkommens wurde dem
Barcelona-Prozess ein starker eigener Impuls gegeben.
Ferner haben sich Marokko und die USA am 02.03.2004 auf den Abschluss eines
Freihandelsabkommens geeinigt. Das Abkommen wird nach Inkrafttreten mit
sofortiger Wirkung 95% des beiderseitigen Handels mit Verbrauchs- und
Industrieprodukten von Zoll befreien. Zu den für Marokko sensitiven Sektoren,
insbesondere Landwirtschaft und Textil, sind Sonderregeln mit Schutzcharakter
vorgesehen.
Der stark reglementierte marokkanische Luftverkehr war Hemmnis der
Tourismusentwicklung. Nach langen Verhandlungen wurde der Luftverkehr Anfang
2004 endlich liberalisiert. Damit einher geht die Dezentralisierung des
Flugverkehrs. Letzte Einschränkung der Liberalisierung ist das Verbot für
ausländische Charterfluggesellschaften, marokkanische Staatsangehörige aus
Marokko heraus zu befördern. Für ausländische Linienfluggesellschaften
besteht Cabotageverbot.
Privatisierungen
2003 wurden 80% des Kapitals der staatlichen "Regie de Tabac" für
1,4 Mrd.. Euro veräußert.
Im Juli 2003 übernahm Renault einen 38%-igen Staatsanteil am Kfz-Montagewerk
SOMACA für 9,5 Mio. Euro. Die Privatisierungspolitik wird fortgesetzt.
Staatsverschuldung
Erstmalig begab Marokko 2003 eine internationale Staatsanleihe über 400 Mio.
Euro, die nicht verbürgt war. Die Anleihe wurde positiv angenommen.
Die staatlichen Bruttoschulden Marokkos sanken 2003 von 71,4% im Vorjahr auf
68,2% des BIP, die Zinslast der Staatsverschuldung von 4,4% des BIP auf 4%. Die
Außenverschuldung belief sich insgesamt auf 12,57 Mrd. Euro nach 14,23 Mrd.
Euro 2002 (29,5% des BIP, Vorjahr 35,8%). Marokko fand Anfang 2004 Anerkennung
für sein Schuldenmanagement, als S&P die Bonitätsnote von "stable"
auf "positive" heraufsetzte.
Bilaterale Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland
Die deutschen Exporte stiegen 2003 auf 892,2 (2002: 729,7) Mio. Euro
(+22,3%). Die Importe aus Marokko hingegen sanken mit einem Warenwert von 490,1
(2002: 555,1) Mio. Euro um 11,7%. In der Rangfolge der Handelspartner
Deutschlands belegte Marokko bei den Einfuhren Rang 61 und bei den Ausfuhren
Rang 53. Als Handelspartner Marokkos liegt Deutschland bei den marokkanischen
Importen an 4. Stelle, bei den Exporten auf dem 5. Rang.
Wichtigste deutsche Exportgüter nach Marokko waren Maschinen und
elektrotechnische Erzeugnisse mit zweistelligen Zuwachsraten. Aus Marokko bezog
Deutschland hauptsächlich, jedoch mit rückläufiger Tendenz, Textilien sowie
Nahrungsmittel.
Tourismus
Die Anzahl der Touristenankünfte ist 2003 trotz der Terroranschläge um 6%
auf 4,55 Mio. Besucher gestiegen. Dieser Erfolg ist vor allem auf
Aktionsprogramme der marokkanischen Fremdenverkehrswirtschaft zur Belebung des
heimischen Markts und vermehrter Einreisen von Franzosen (4%) und Spaniern (15%)
zurückzuführen.
Die Ankünfte deutscher Touristen brachen 2003 allerdings um 25% ein. Die
Gesamtzahl der Besucher ging von 173.000 auf 129.000 zurück. Deutschland fiel
damit erstmalig auf den 4. Platz in der Besucher Rangfolge hinter
Großbritannien zurück. Frankreich führte traditionell die Rangliste vor
Spanien an.
Messen
Die im 2-Jahres-Rhythmus von GTZ / AHK Marokko organisierte "EnviroMaroc"
gilt als gelungene Kontaktbörse für deutsche Firmen, die sich auf
Umwelttechnik spezialisiert haben. Die nächste "EnviroMaroc" findet
vom 12.-14.05.2004 statt. Für den Bereich Erneuerbare Energien führt die AHK
Marokko nach 2002 zum zweiten Mal im Herbst 2004 eine Veranstaltung durch. Es
handelt sich dabei noch nicht um eine Messe, sondern um Fachseminare, eine
Kooperationsbörse soll im Jahr 2005 folgen.
Marktchancen für deutsche Unternehmen gibt es vor allem im Rahmen der
Wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Marokko ist bevorzugtes Empfängerland
zahlreicher Geberländer und –institutionen. Vor allem in den Bereichen
Umwelt, (Ab-)Wasser, Abfall und Energie bieten sich Möglichkeiten für deutsche
Unternehmen.
Seit 10.03.1997 steht die Deutsche Industrie- und Handelskammer (AHK) in
Casablanca für Marktberatungen zur Verfügung.
Bilaterale Wirtschaftsbeziehungen zur EU
Seit 01.03.2000 ist das Assoziierungsabkommen mit der EU in Kraft. Der Abbau
der Zolltarife verläuft nach Termin. Am 26. Juni 2003 wurde ein
wissenschaftliches und technologisches Kooperationsabkommen zwischen der EU und
Marokko geschlossen.
Die neue EU- Nachbarschaftspolitik unterstützt Marokko bei seinem
innenpolitischen Modernisierungsprogramm und der Bekämpfung der Armut.
Abkommen:
Investitionsschutzvertrag vom 31. August 1961
Unterzeichnung des neuen Investitionsförderungs- und Schutzvertrags erfolgte am
06. August 2001
Doppelbesteuerungsabkommen vom 07. Juni 1972, in Kraft getreten am 08.
Oktober 1974
Luftverkehrsabkommen vom 12. Oktober 1961, in Kraft getreten am 23. August 1963
Abkommen über die Seeschifffahrtsbeziehungen vom 24. November 1966, in Kraft
getreten am 24. November 1966, neuer Vertragsentwurf wird verhandelt
Abkommen über den grenzüberschreitenden Personen- und Güterverkehr auf der
Straße vom 23. Juni 1985, in Kraft getreten am 26. September 1993
Vertrag über die Rechtshilfe und Rechtsauskunft in Zivil- und Handelssachen vom
29.10.1985, in Kraft getreten am 23.06.1994
Abkommen über Soziale Sicherheit vom 24. März 1981, in Kraft getreten am
01.08.1986
Regierungsvereinbarung über die ggs. Rechtshilfe in Strafsachen vom 17.7.1958
(gleichzeitig Datum des Inkrafttretens)
Vereinbarung über die Zusammenarbeit im Veterinärwesen vom 21.Mai 2002
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