Geschichte
Die ursprünglichen Einwohner des heutigen Staatsgebietes von Marokko, von
den Römern Berber genannt, sahen sich im Laufe der Jahrhunderte mit Invasionen
von Phöniziern, Karthagern, Römern, Vandalen und - seit dem Ende des 7.
Jahrhunderts - von Arabern konfrontiert. Das früh islamisierte Land gehörte in
der Folge niemals zum osmanischen Reich und behielt - unterbrochen von 44 Jahren
französischer Protektoratsherrschaft (1912 - 56) - bis heute seine
Unabhängigkeit.
Die marokkanische Geschichte wird von den jeweils Macht habenden Dynastien,
die teilweise berberischen, teilweise arabischen Ursprungs sind, gestaltet. Den
Idrissiden folgten die Almoraviden (1052-1147), auf die Almohaden (1178-1213)
folgten die Meriniden (1259-1540) und Saadier (1587-1660). Seit 1660 ist die
heute regierende arabische Dynastie der Alawiten an der Macht. Am 23.07.1999
folgte nach dem Tod des 38 Jahre regierenden Königs Hassan II. sein ältester
Sohn als König Mohammed VI. (geb. 21.08.63) auf den Alawiten-Thron.
Die Westsahara-Frage
Der Internationale Gerichtshof stellte in einem Gutachten vom 16.10.1975 zwar
vor-koloniale Bindungen zwischen einzelnen Stämmen der Westsahara und den
marokkanischen Sultanen fest. Laut Internationalem Gerichtshof begründeten
diese Bindungen jedoch keine territoriale Souveränität Marokkos über das
Gebiet der Westsahara.
Marokko nahm das Gebiet 1975 durch den "Grünen Marsch" in Besitz.
1981 erklärte sich König Hassan II. bereit, einer Volksabstimmung der
Westsahara-Bevölkerung unter der Ägide der Vereinten Nationen zuzustimmen. Der
damalige Generalsekretär der Vereinten Nationen Pérez de Cuéllar erarbeitete
einen Friedensplan für die Durchführung eines Referendums. Nachdem Marokko und
die Frente Polisario den Plan im August 1988 akzeptiert hatten, trat 1991 ein
seitdem eingehaltener Waffenstillstand in Kraft. Zugleich nahmen Einheiten der
UN-Beobachtermission MINURSO ihre Tätigkeit in der Westsahara auf. Der Prozess
der Identifizierung von Wahlberechtigten gestaltete sich äußerst kompliziert.
Im Juni 2001 hatte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen den Vorschlag
des Generalsekretärs und seines Sondergesandten für die Westsahara, James
Baker, unterstützt, Polisario, Marokko, Algerien und Mauretanien sollten ein
Rahmenabkommen verhandeln, das eine weitgehende innere Autonomie bei
gleichzeitiger Außenvertretung der Westsahara durch Marokko vorsah. Am Ende
einer Übergangsperiode sollte die ansässige Wohnbevölkerung der Westsahara
über den endgültigen Status entscheiden. Diese Vorschläge lehnten Polisario
und Algerien ab.
Im einem Bericht (S/2002/178) hatte der Generalsekretär der Vereinten
Nationen das Scheitern der bisherigen Lösungssuche im Rahmen der Vereinten
Nationen konstatiert und unterstrichen, dass laut Baker eine Lösung des
Konfliktes durch die Umsetzung des ursprünglichen Plans (Referendum) "sehr
unwahrscheinlich" sei. Als Optionen listete der Bericht auf: 1.) Referendum
über den Status des umstrittenen Gebietes; 2.) Autonomie unter marokkanischer
Souveränität; 3.) Teilung des Gebietes in Ost-West-Richtung; 4.) Beendigung
der Mission MINURSO. Der Sonderbeauftragte Baker stellte den Konfliktparteien
Anfang 2003 einen neuen Plan zur politischen Lösung des Konfliktes vor. In
einem Bericht vom 23.05.03 bezeichnete der VN-Generalsekretär den neuen
Baker-Plan als "fünfte Option". Der Plan gründet auf Autonomie des
umstrittenen Gebietes (Bildung einer Western Sahara Authority) unter
marokkanischer Souveränität bei Abstimmung über den Endstatus innerhalb von 5
Jahren. Der neue Plan verknüpft die Anliegen beider Konfliktparteien:
einerseits zunächst Autonomie in Marokko, andererseits am Ende der
Übergangsphase Polisario-gefordertes ergebnisoffenes Referendum. Marokko
befürchtet allerdings, eine Selbstverwaltung der Westsahara unter Führung der
Polisario könne eine Eigendynamik entfalten, die einem abschließenden
Volksentscheid von vornherein die Richtung auf Selbständigkeit des Territorium
weist. Marokko ist nur bereit, eine Lösung zu akzeptieren, die einen Verbleib
der Westsahara im marokkanischen Staatsverband sicher stellt. Den Baker-Plan in
seiner jetzigen Form lehnt es ab.
Das Engagement Deutschlands für eine den Interessen aller Beteiligter
gerecht werdende Lösung des Konflikts hat sich unter anderem in einer
Entsendung von MINURSO-Personal Mitte der neunziger Jahre und in einer
Vermittlungsaktion zur Freilassung der letzten in Marokko inhaftierten
Polisariokämpfer 1996 niedergeschlagen.
Derzeit sind noch 514 marokkanische Soldaten, viele davon seit über zwanzig
Jahren, Gefangene der Polisario. Es sind die am längsten Inhaftierten nach
einem militärischen Konflikt. Die Polisario macht eine Freilassung von einer
abschließenden Gesamtregelung abhängig. Auf spanische, deutsche und libysche
Vermittlung kamen 2002 und 2003 mehrere hundert Gefangene frei. Die Bemühungen
um die Freilassung der verbleibenden, völkerrechtswidrig festgehaltenen
marokkanischen Soldaten halten an.
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