Außenpolitik
Ziel: Afrikanische Integration
Einer der Schwerpunkte der libyschen Außenpolitik ist seit 1999 die
Integration Afrikas. Die offizielle Gründung der "Afrikanischen
Union" als Nachfolgeorganisation der OAE (Organisation für Afrikanische
Einheit) auf der afrikanischen Gipfelkonferenz von Durban im Sommer 2002 beruht
zu einem großen Teil auf dem intensiven persönlichen Engagement Oberst
Gaddafis. Allerdings gibt es wenig Fortschritte im Hinblick auf den libyschen
Wunsch, Sitzstaat von AU-Institutionen zu werden.
Verhältnis zu den arabischen Staaten
Parallel zur Annäherung an Afrika bleibt das libysche Verhältnis zur
Arabischen Liga schwierig. Gaddafi wirft ihr Schwäche und Uneinigkeit vor. Ein
im Oktober 2002 von Libyen beim Sekretariat der Liga in Kairo eingereichter
offizieller Austrittsantrag wurde im Mai 2003 auf Drängen mehrerer arabischer
Staats- und Regierungschefs wieder revidiert. Libyen pflegt enge, wenn auch
nicht immer störungsfreie Beziehungen zu den arabischen Nachbarstaaten Tunesien
und Ägypten. Die Rolle der arabischen Staaten im Nahostfriedensprozess wird
kritisch gesehen; Gaddafi befürwortet die Gründung eines binationalen Staates
Israel/Palästina auf dem gesamten früheren Mandatsgebiet Palästina. In der
Irak-Krise verband Gaddafi deutliche Kritik am Regime Saddam Husseins mit
gleichzeitiger Ablehnung einer militärischen US-Intervention. Besondere Kritik
traf die Golfstaaten, die den militärischen Aufmarsch der US-Streitkräfte auf
ihrem Gebiet duldeten.
Verhältnis zu den USA und zu den Vereinten Nationen
Zwischen Libyen und den USA wurden 1981 die diplomatischen Beziehungen
eingefroren. Nach der Anklage gegen zwei Libyer, die der Verwicklung in den
Anschlag gegen das 1988 über dem schottischen Lockerbie gesprengte
amerikanische Verkehrsflugzeug beschuldigt wurden, und der daraus folgenden
Verhängung von UN-Sanktionen gegen Libyen hatte sich das Verhältnis
verhärtet. Aufgrund der Auslieferung der beiden Beschuldigten durch Libyen an
ein in den Niederlanden eingesetztes schottisches Gericht wurden die Sanktionen
1999 suspendiert. Im Januar 2001 wurde einer der beiden Libyer zu lebenslanger
Haft verurteilt. Nachdem Libyen der langjährigen Forderung nach einem
Schuldanerkenntnis und einer Kompensation für die Opfer des Attentats
nachgekommen ist, hat der VN-Sicherheitsrat am 12.09.2003 die Sanktionen
endgültig aufgehoben. Es bestehen aber nach wie vor bilaterale Sanktionen der
USA.
Verhältnis zu europäischen Staaten
Die Beziehungen zu Deutschland und Europa entwickeln sich positiv. Libyen
wirbt um engere Zusammenarbeit. Bevorzugte Partner sind derzeit Italien und
neuerdings auch Großbritannien die sich engagiert um Libyen bemühen. Zu
Frankreich hat sich das Verhältnis wieder normalisiert. Die Regierungschefs von
Spanien, Italien und Großbritannien haben in den letzten Monaten Libyen besucht
und dabei auch ihr besonderes Interesse an einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit
bekundet.
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