Außenpolitik
Grundlagen
Der Nahost-Konflikt ist das beherrschende Thema der libanesischen
Außenpolitik. Syrien hat sich mit dem Taif-Abkommen zum Ende des libanesischen
Bürgerkriegs großen Einfluss auf den Libanon gesichert. Daher folgt Libanon
der syrischen Nahost-Politik und ist grundsätzlich zu einem Frieden mit Israel
nur auf der Grundlage des Prinzips "Land gegen Frieden" und im
Einklang mit den Resolutionen des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen
bereit.
Flüchtlingsfrage
Für Libanon ist die Regelung der Flüchtlingsfrage ein großes Anliegen.
Schätzungen über die Flüchtlingszahlen liegen zwischen 180.000 und 450.000
Palästinensern, die zum großen Teil in 12 Lagern leben. Sie werden weitgehend
von der Hilfsorganisation der Vereinten Nationen für palästinensische
Flüchtlinge (UNRWA) unterstützt. Libanon betreibt eine aktive Politik der
Nicht-Integration palästinensischer Flüchtlinge –auch um das Gleichgewicht
zwischen den libanesischen Religionsgemeinschaften nicht zu stören - und
besteht auf deren Rückkehr im Rahmen einer Friedenslösung.
Territorialfragen
Weiteres libanesisches Nahost-Anliegen ist die Rückgabe einiger noch von
Israel besetzter und nach Auffassung Beiruts libanesischer Gebiete an der
Südgrenze (Sheba-Farmen und weitere kleine Gebiete an der "Blauen
Linie"). Außerdem wünscht Libanon, dass Israel die Verletzung der
libanesischen Souveränität durch israelische Überflüge einstellt.
Am 25. Mai 2000 hat sich Israel nach 22 Jahren Besetzung aus Südlibanon
zurückgezogen. Die Vereinten Nationen, deren Gründungsmitglied Libanon ist,
haben seither die in der Sicherheitsratsresolution 425 enthaltenen
Rückzugsforderungen für erfüllt erklärt. Das Unifil-Kontingent, welches die
so genannte Blaue Linie zwischen Libanon und Israel überwacht, wurde inzwischen
wesentlich reduziert. Beim Wiederaufbau des Südlibanon wird vor allem
arabisches Kapital eingesetzt. Libanon verlangt finanzielle Kompensationen für
während der Besatzungszeit entstandene Schäden.
Beziehungen zur EU
Die Unterzeichnung des EU-Assoziationsabkommens fand nach mehrjährigen
Verhandlungen am 17. Juni 2002 statt; der Ratifikationsprozess durch die
Mitgliedstaaten der EU dauert an. Deutschland hat (als zweites Land nach Irland)
am 17.09.2003 ratifiziert. Durch ein am 1. März 2003 in Kraft getretenes
Handelsabkommen wurde eine vorläufige Anwendung der Bestimmungen des
Assoziationsabkommens vereinbart, die sich auf den Handel beziehen. Dadurch hat
Libanon für die große Mehrzahl seiner Erzeugnisse zollfreien Zugang zum
Europäischen Binnenmarkt. Die EU-Kommission ist bemüht, durch eine Anzahl von
Kooperationsprojekten die wirtschaftliche und administrative Modernisierung in
Libanon zu unterstützen.
Beziehungen zur Arabischen Liga
Libanon ist Mitglied der Arabischen Liga und hat am 27. und 28. März 2002
erstmals einen Gipfel der Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsländer der
Arabischen Liga in Beirut durchgeführt.
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