Innenpolitik
Staatsaufbau
Jordanien ist eine konstitutionelle Monarchie und verfassungsmäßig als
Zentralstaat mit zwölf Gouvernoraten organisiert. Diese nehmen administrative
Aufgaben, aber keine eigenen politischen Befugnisse wahr. Staatsoberhaupt ist
König Abdullah II. bin Hussein (seit 07.02.1999), Premierminister Faisal
al-Fayez (seit 25.10.2003), Außenminister Marwan Muasher (seit 14.01.2002).
Aktuelle innenpolitische Lage
König Abdullah II unterzieht sein Land einer systematischen Modernisierung.
Er möchte Jordanien zur einer führenden Nation im Nahen Osten machen:
Wahlrechtsreform, Dezentralisierung, Justizreform etc. wurden 2004 in Angriff
oder in Planung genommen.
Für die seit Oktober 2003 amtierende Regierung lautet der Kernauftrag, das
politische System zu reformieren. Dazu gehört insbesondere die Herausbildung
einer Parteienlandschaft und eine aktivere Teilhabe breiter
Bevölkerungsschichten am politischen Prozess. Das am 17.06.2003 für vier Jahre
gewählte jordanische Parlament wird von Stammesvertretern dominiert, die 70 der
110 Parlamentssitze gewannen. Die Islamische Aktions-Front, einzige wirklich
funktionierende Partei in Jordanien, schnitt mit 21 Sitzen wie erwartet ab. Neu
war eine Frauenquote mit sechs für Frauen reservierten Sitzen.
Die Arbeitsschwerpunkte der Vorgängerregierung, wirtschaftliche Reformen,
Öffnung und Investitionsanreize, werden weiter engagiert umgesetzt. Die
jordanische Führung hat eine Initiative zur besseren Einbindung und Entwicklung
des vernachlässigten Südens des Landes in Angriff genommen. Es gibt in
Jordanien mehrere Freihandelszonen, die größte davon rund um den Rotmeerhafen
Aqaba. Seit September 2001 hat Jordanien (neben Kanada, Mexiko und Israel) ein
Freihandelsabkommen mit den USA, seit Mai 2002 ein Assoziierungsabkommen mit der
EU.
Die politische Lage im Nachkriegs-Irak wird in Jordanien von Bevölkerung und
Regierung aufmerksam verfolgt. Die innenpolitische Stabilität Jordaniens wurde
durch die Ereignisse im Irak nicht in Mitleidenschaft gezogen. Nach der
Übergabe der Souveränität an die irakische Übergangsregierung am 28.06.2004
hat König Abdullah II. angekündigt, Truppen in den Irak zu senden, falls eine
solche Bitte an ihn herangetragen würde. Dies hat negative Reaktionen in der
jordanischen Öffentlichkeit ausgelöst.
Das Vorgehen Israels gegen Palästinenser, das auch 2004 anhält, belastet
die israelisch-jordanischen Beziehungen und verdüstert die Stimmung unter den
palästinensisch-stämmigen Jordaniern
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