Außenpolitik
Grundlinien der Außenpolitik
Die Außenpolitik Jordaniens, deren Linien vom König bestimmt werden, folgt
seit der Unabhängigkeit 1946 einer Konstante: um Ausgleich bemühte Haltung
gegenüber den Nachbarn einschließlich Israel und gute Beziehungen zum Westen,
vor allem den USA. Außerdem kennzeichnen aktives Krisenmanagement im
Nahostfriedensprozess, enge Beziehungen zu moderaten arabischen Regierungen und
Bemühungen um ein verstärktes Engagement der EU in der Region die
gegenwärtige Außenpolitik Jordaniens.
Die Nachbarschaft zu Israel und den palästinensischen Gebieten auf der einen
und zum Irak auf der anderen Seite stellt die jordanische Außenpolitik vor
erhebliche Anforderungen. Bei der Bevölkerung treffen die engen Beziehungen zu
den USA und die Normalisierung des Verhältnisses zu Israel nur begrenzt auf
Verständnis.
Friedensprozess im Nahen Osten
Jordanien hat sich in der internationalen Gemeinschaft einen Namen als
konstruktiver und initiativer Förderer des Friedens im Nahen Osten gemacht. Mit
Israel hat Jordanien im Jahr 1994 einen Friedensvertrag geschlossen. Mit dem
Aqaba-Gipfel am 04.06.2003 übernahm Jordanien eine wichtige Rolle bei der
Lancierung des Friedensfahrplans (Road Map). Im Zuge der bisher eher
schleppenden Umsetzung des Friedensfahrplans ist Jordanien im
Nahost-Friedensprozess wieder in den Hintergrund getreten.
Die Regelung der palästinensischen Flüchtlingsfrage ist für Jordanien von
besonderer Bedeutung: Etwa die Hälfte der jordanischen Bevölkerung ist
palästinensischer Herkunft. Der von Israel vorangetriebene Bau einer
Sperranlage im Westjordanland und um Jerusalem führt in Jordanien zu Sorge vor
weiteren palästinensischen Flüchtlingen, die das politische, gesellschaftliche
und wirtschaftliche Gefüge des Landes überfordern könnten.
Nach der Machtübergabe an die irakische Übergangsregierung (28.06.2004)
hofft Jordanien auf ein Wiederaufleben der wirtschaftlichen Beziehungen zum
Irak. Die Beziehungen zum Irak waren vor Krieg und Sanktionen wegen der
erheblichen jordanischen Exporte dorthin und der Öllieferungen zu
Vorzugspreisen für Jordanien besonders wichtig. Das Verhältnis zu Syrien hat
sich durch den Generationenwechsel in Jordanien und Syrien (König Abdullah II
und Präsident Baschar Al Assad) leicht verbessert. An einer Annäherung wird
gearbeitet (z.B. gemeinsames Staudammprojekt). Mit Ägypten, Saudi-Arabien und
Kuwait stimmt sich Jordanien in Sicherheitsfragen eng ab.
Beziehungen zu den USA und zur Europäischen Union
König Abdullah II war am 28.09.2001 der erste arabische Führer, der von
US-Präsident Bush nach den Terroranschlägen vom 11.09.2001 empfangen wurde,
was die engen Beziehungen zu den USA verdeutlicht. Auch 2004 betrieb der König
eine aktive Reisediplomatie – häufigste Ziele waren die USA und
Großbritannien, danach Deutschland.
Der größte europäische Investor in Jordanien ist Frankreich mit 750 Mio.
USD (v.a. Zementherstellung). Mit einem Marktanteil von 31,5% ist die EU
wichtigster Lieferant. Jordanien erhält derzeit den höchsten Pro-Kopf-Betrag
aus der Mittelmeerförderung der EU (MEDA). Letztere und bilaterale Hilfe der
EU-Mitgliedsstaaten beliefen sich in den letzten fünf Jahren auf zusammen 1,15
Mrd. USD. Grundlage der Beziehungen zwischen der EU und Jordanien ist das 1997
unterzeichnete und am 01.05.2002 in Kraft getretene Assoziierungsabkommen.
Inzwischen hat die EU einen Aktionsplan mit Jordanien vereinbart zur
Implementierung ihres "Nachbarschaftskonzepts" für verstärkte
Beziehungen zu den an Europa angrenzenden Regionen.
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