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Beziehungen zwischen Deutschland und dem Jemen

Politische Beziehungen

Die bilateralen Beziehungen werden von jemenitischer Seite als beispielhaft bezeichnet. Deutschland gilt als bevorzugter westlicher Partner. Deutschland genießt einen ausgezeichneten Ruf aus historischen Gründen, u.a. wegen der klaren Haltung der Bundesregierung für die Einheit des Jemen im Sezessionskrieg und des hochgeschätzten entwicklungspolitischen Engagements. Im Oktober/November 1999 konnte man gemeinsam auf "30 Jahre seit Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen und 30 Jahre kontinuierliche entwicklungspolitische Zusammenarbeit zwischen Jemen und Deutschland" zurückschauen.

Mit keinem anderen westlichen Land hat es in den letzten Jahren einen so regen Besucheraustausch gegeben wie mit Deutschland. Im Juni 1992 absolvierte Bundespräsident von Weizsäcker einen Staatsbesuch im Jemen, der von Staatspräsident Saleh mit einem Staatsbesuch in Deutschland vom 8. bis 13. September 1997 erwidert wurde. Auch die regelmäßigen Besuche auf den Ebenen der Parlamente und der Minister unterstreichen die guten Beziehungen. Bundesaußenminister Fischer besuchte im Februar 1999 Jemen als erstes arabisches Land nach seiner Amtsübernahme. Staatspräsident Saleh besuchte Deutschland zuletzt im Juni 2003 zu einem offiziellen Besuch.

Wirtschaftliche Beziehungen

Das Handelsvolumen lag 2002 bei ca. 131 Mio EUR (2001: 117,6 Mio. EUR; 2000: 128,8 Mio. EUR; 1999: 88,5 Mio. EUR). Die deutschen Ausfuhren stiegen im Jahr 2002 gegenüber dem Vorjahr um 9,6% auf 126,8 Mio. EUR (2001: 115 Mio EUR, 2000: 93,0 Mio. EUR. 1999: 83,9 Mio. EUR) und umfassten insbesondere Maschinen, chemische und elektrotechnische Erzeugnisse sowie Kraftfahrzeuge. Die Einfuhren aus Jemen stiegen von geringem Ausgangsniveau stark an (+139%) und erreichten nunmehr 4,6 Mio EUR (2001: 1,9 Mio. EUR; 2000: 35,8 Mio. EUR, 1999: 4,6 Mio. EUR).

Hermes-Deckungsmöglichkeiten, die zwischenzeitlich ab 1990 nicht mehr bestanden, sind Ende 1997 mit einer Laufzeit von 360 Tagen wieder eingeführt worden.
Ein Investitionsschutzabkommen ist seit 19.12.1978 in Kraft. Ein bilaterales Doppelbesteuerungsabkommen besteht nicht.
Großen Erfolg hatte die Republik Jemen mit ihrem hervorragend besuchten Pavillon auf der EXPO 2000 in Hannover.

Entwicklungspolitische Beziehungen

Der Jemen gehört mit einem BSP von 473 USD pro Einwohner (2003) zu den am wenigsten entwickelten Ländern und ist als solches Schwerpunktland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (Rahmenabkommen für technische Zusammenarbeit vom 04.07.1978). In dem im April 2001 verabschiedeten Aktionsprogramm der Bundesregierung zur Halbierung der Armut weltweit wurde Jemen neben drei weiteren Entwicklungsländern als Pilotland ausgewählt.

Die deutschen Gesamtzusagen seit 1978 beliefen sich bis Ende Juni 2003 auf ca. 418 Mio. EUR in der finanziellen Zusammenarbeit (FZ) und auf ca. 290 Mio. EUR in der technischen Zusammenarbeit (TZ) im eigentlichen Sinne. Hinzu kommen die Leistungen für den Deutschen Entwicklungsdienst (DED), für Integrierte Fachkräfte des Centrums für internationale Migration und Entwicklung (CIM), für die politischen Stiftungen (vor allem für die Friedrich-Ebert-Stiftung, die seit 1998 über ein eigenes Büro in Sanaa verfügt) sowie für die Stipendienprogramme der Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH InWEnt (früher DSE und CDG). 1979 wurde dem Jemen Schuldenerlass gewährt; seither erhält Jemen die deutschen Leistungen im Rahmen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit in Form von Zuschüssen.

Letzte Regierungsverhandlungen fanden im März 2003 in Bonn statt: Die Zusagen konnten mit knapp 40 Mio EUR auf dem hohen Niveau gehalten werden, das durch die stattliche Erhöhung um 67% im Jahr 2002 erstmals erzielt wurde: Finanzielle Zusammenarbeit 23,5 Mio. EUR, Technische Zusammenarbeit 16,15 Mio EUR.

Wichtigste Projekte der finanziellen Zusammenarbeit: Wasserversorgung und Abwasserentsorgung; Gesundheit und Familienplanung; Bau- und Rehabilitierung von Grundschulen.

Wichtigste Projekte der technischen Zusammenarbeit: Berater in verschiedenen Ministerien und Behörden in den Sektoren:

Wasser
Grundbildung
Familienplanung und Gesundheit
ländliche Entwicklung
Abfallbeseitigung
Berufsschulausbildung
Technikerausbildung in Aden.
Im Juni 2003 waren im Jemen 20 Langzeitexperten der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), 17 DED-Entwicklungshelferinnen und -helfer sowie 9 CIM-Experten eingesetzt. Im Jahr 2002 wurden erneut zahlreiche projektfreie Stipendien durch CDG und DSE vergeben.

Kulturelle Beziehungen

Die kulturellen Beziehungen sind von starkem gegenseitigen Interesse und von großer Sympathie der Deutschen und der Jemeniten für die Kultur des anderen Landes geprägt.

Viele Jemeniten lernen mit Hilfe der deutschen Botschaft in Sanaa und des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (seit 1998 gibt es ein DAAD-Lektorat an der Universität Sanaa) die deutsche Sprache. Seit dem Schuljahr 2003/2004 wird erstmals im Rahmen eines Pilotprojektes Deutsch an einigen ausgewählten Gymnasien in Sanaa unterrichtet. Der Deutsch-Unterricht an jemenitischen Oberschulen soll in den kommenden Jahren schrittweise ausgeweitet werden.

Das Kulturangebot des im Februar 2001 gegründeten deutschen Kulturzentrums ("Al-Bait Al-Almani - Das Deutsche Haus") wird von der jemenitischen Bevölkerung sehr gut aufgenommen.

In Deutschland haben zahlreiche große Ausstellungen zum alten Jemen stattgefunden, die sich großen Zuspruchs erfreuten.

Im Juni 2002 wurde das deutsch-jemenitische Kulturabkommen durch den jemenitischen Kulturminister und den damaligen Staatsminister im Auswärtigen Amt, Volmer, in Berlin erneuert.

Das Deutsche Archäologische Institut (DAI) arbeitet seit 1978 in Jemen und feiert im Oktober 2003 sein 25jähriges Jubiläum. Im Vordergrund der Arbeiten stehen Feldforschungen und Grabungen zur prähistorischen und klassisch-vorislamischen Periode, insbesondere in Marib (Staudammanlage und Tempel) und Sirwah. Weitere Ausgrabungsstätten des DAI befinden sich in Sabir nahe Aden, im Gouvernorat Lahij, in Sanaa sowie auf dem Berg Jabel ‘Aud in der Nähe von Ibb.

Ein sehr erfolgreiches Projekt der Kulturhilfe war die Restaurierung in Sanaa gefundener altarabischer Handschriften, das im Jahr 2000 mit der Übergabe der Mikrofilmkopien an die jemenitische Antikenbehörde abgeschlossen werden konnte. Eine im Oktober 2003 erschienene Broschüre fasst die Forschungsergebnisse dieses Handschriftenprojektes sehr anschaulich zusammen. Sie kann über das Deutsche Archäologische Institut in Berlin bezogen werden.

1993 wurde aus Mitteln der deutschen Kulturhilfe und im Rahmen des UNESCO-Projekts "Wiederherstellung der Altstadt von Sanaa" die Restaurierung einer Stadt-Karawanserei beendet, die heute als zentrale Galerie des jemenitischen Künstlerverbandes dient.

Im Dezember 2002 bereiste der Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass auf eine offizielle jemenitische Einladung hin den Jemen. Im Verlaufe des Besuches kam es zu dem viel beachteten Schriftsteller-Seminar "Am Anfang war der Dialog", an dem neben Grass und weiteren deutschen Intellektuellen namhafte arabische Dichter der Gegenwart (Adonis, Mahmut Darwisch) teilnahmen. Im Januar 2004 stattete Günter Grass dem Jemen einen zweiten Besuch ab. Er eröffnete das von ihm initiierte Günter-Grass-Zentrum für Lehmbauarchitektur in Tarim (Hadhramaut). Wieder kam es zu einer deutsch-arabischen Dichterbegegnung ("Der Dialog geht weiter"), zu der überdies die jungen deutschsprachigen Autoren Judith Hermann, Kathrin Röggla und Ingo Schulze eingeladen waren.

Im Jahr 2004 trägt die Hauptstadt des Jemen, Sanaa, den Titel der "Arabischen Kulturhauptstadt". Als ein besonderer Höhepunkt der Feierlichkeiten trat im Februar 2004 die Europa-Philharmonie Magdeburg auf. Vor der einmaligen Kulisse der Altstadt von Sanaa gab das Philharmonie-Orchester ein Freiluftkonzert mit Musik von Beethoven, Brahms, Mozart und Strauß.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) ist bisher die einzige politische Stiftung, die durch ein Büro ständig im Jemen präsent ist.

Beziehungen zur Europäischen Union

Die jemenitische Regierung legt großen Wert auf gute Beziehungen zu den Staaten der Europäischen Union. Das Verhältnis zu Frankreich ist vor allem seit dem Staatsbesuch Präsident Salehs im Januar 1995 und den erfolgreichen französischen Vermittlungsbemühungen im jemenitisch-eritreischen Konflikt um die Inseln im Roten Meer sehr gut. Die umfangreiche Entwicklungszusammenarbeit (EZ) der Niederlande wird von der jemenitischen Regierung sehr geschätzt. Großbritannien hatte nach dem Sieg der Nordtruppen über den Süden im Sezessionskrieg seine Entwicklungszusammenarbeit an den Jemen weitgehend eingestellt. In den letzten Jahren ist es zwar zu einer deutlichen Verbesserung der bilateralen Beziehungen gekommen; durch das blutige Entführungsdrama im Dezember 1998, bei dem mehrere westliche Touristen getötet wurden, und durch einen Bombenanschlag auf die britische Botschaft im Oktober 2000 wurden sie jedoch zeitweise wieder gedämpft. Die britische Entwicklungshilfe für den Jemen nimmt derzeit wieder zu.

Die Beziehungen der Europäischen Union zu Jemen haben sich weiter vertieft, vor allem in der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit. Ein neues Kooperationsabkommen zwischen der Europäischen Gemeinschaft und der Republik Jemen ist am 01.07.1999 in Karft getreten. Die Europäische Kommission ist in Sanaa mit einem technischen Büro vertreten, das Anfang 2004 zu einer Delegation aufgewertet wird. Auf Vorschlag der jemenitischen Regierung wird derzeit ein politischer Konsultationsmechanismus mit der EU eingerichtet.

 

 

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