Innenpolitik
Staatsaufbau
Nach der Verfassung von 1996 ist Algerien eine parlamentarische Demokratie,
die auf den Säulen von Arabität, Islam und Berberität beruht. Der Präsident
wird für maximal zwei Amtszeiten von je fünf Jahren direkt gewählt.
Neben der nach Verhältniswahlrecht (mit 5%-Klausel) gewählten
Nationalversammlung (Assemblée Populaire Nationale) besteht eine zweite Kammer
(Conseil de la Nation oder Sénat), deren Mitglieder zu einem Drittel vom
Präsidenten bestimmt und zu zwei Dritteln von den Gemeindevertretern gewählt
werden. Der Senatspräsident vertritt den Staatspräsidenten.
Der Verwaltungsaufbau des Landes ist zentralistisch. Das Land ist in 48
Regierungsbezirke, "Wilayate", untergliedert, denen jeweils ein Wali
(Gouverneur) vorsteht. Dieser ist dem Innenministerium in Algier unterstellt.
Politik der "Nationalen Aussöhnung"
Präsident Bouteflika übernahm sein Amt im April 1999 und wurde im April
2004 mit einer deutlichen Mehrheit (ca. 85%) für weitere fünf Jahre im Amt
bestätigt. Während seiner ersten Amtszeit hatte Präsident Bouteflika sich als
Ziel die Wiederherstellung des inneren Friedens gesetzt. Die Politik der sog.
"Nationalen Eintracht" ("concorde civile"), die in einem
Referendum bestätigt wurde, sah die weitgehende Straffreiheit für reuige
Terroristen sowie deren Wiedereingliederung in die Gesellschaft vor. Für seine
zweite Amtszeit hat Präsident Bouteflika das Motto der "Nationalen
Aussöhnung" ("réconciliation nationale") gewählt. Die
wiedergewonnene Stabilität des Landes soll durch umfassende Reformen in
Richtung auf Demokratie, Rechtsstaat und Marktwirtschaft und unter Einbeziehung
aller gesellschaftlichen Gruppen gesichert werden.
Aktuelle politische Situation
Präsident Bouteflika sitzt fest im Sattel. Die Gewerkschaften, die eine
wichtige Rolle im politischen Gefüge spielen, unterstützen ihn. Das Militär,
seit der algerischen Unabhängigkeit bestimmende Kraft im Land, zieht sich
sukzessive aus der Politik zurück.
Ende Mai 2002 fanden Parlamentswahlen statt, bei denen die frühere
Einheitspartei Front de Libération Nationale (FLN) eine absolute Mehrheit der
Mandate erringen konnte. Im Parlament sind weiterhin vertreten die FLN-nahe
Sammlungsbewegung RND von Ministerpräsident Ouyahia, zwei islamistische
Parteien (el-Islah, MSP), die trotzkistische Arbeiterpartei PT, eine Reihe
kleinerer Parteien sowie Unabhängige. Ministerpräsident Ouyahia stützt sich
auf die sog. "Präsidentenallianz", an der neben FLN und RND auch die
islamistische MSP beteiligt ist. Wichtige Reformvorhaben betreffen das
Justizwesen, das Bildungssystem sowie die Umwandlung der staatlich dominierten
Wirtschaft in eine Marktwirtschaft.
Minderheitenpolitik
Die offizielle Anerkennung ihrer Sprache ist eine der Forderungen der
Protestbewegung in der berberischen Region der Kabylei. Im April 2002 hat das
Parlament mit einer Verfassungsänderung die berberische Sprache (Mazirisch oder
Tamazight) zur zweiten Landessprache erhoben. Die gewaltsamen Unruhen, die sich
seit Ende April 2001 gegen alle staatlichen Einrichtungen und vor allem gegen
die Gendarmerie in der Kabylei richten, konnten damit nicht beendet werden. Die
Probleme der Kabylei sind nicht nur kultureller, sondern auch und vor allem
wirtschaftlicher und sozialer Natur. Seit der Wiederwahl Bouteflikas hat sich
die Lage beruhigt. Zuvor hatte Ministerpräsident Ouyahia in einem intensiven
Dialog mit kabylischen Vertretern eine Reihe von Zugeständnissen an die
Protestbewegung gemacht; der Dialog kam allerdings an der Frage der Anerkennung
der Tamazight als offizieller Sprache zum Stillstand.
Menschenrechte
Algerien ist den wichtigsten internationalen Menschenrechtsabkommen
beigetreten. Die Verfassung verspricht einen hohen Grundrechtsschutz. Neben
verschiedenen Nicht-Regierungsorganisationen soll auch eine staatliche
Institution die Einhaltung der Menschenrechte fördern. Hinweise auf
Menschenrechtsverletzungen haben mit dem Rückgang des Terrorismus Ende der
1990er Jahre schrittweise abgenommen, bestehen jedoch fort. Die Aufklärung des
Schicksals in den Wirren des Terrorismus "verschwundener" Personen
bleibt eine schwere Hypothek. Die Regierung versichert, allen internationalen
Menschenrechtsverpflichtungen nachzukommen und Verstöße durch staatliche
Organe im Rahmen der Terrorismusbekämpfung zu verfolgen und zu bestrafen.
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