Wirtschaft
Wirtschaftslage
Die Anfang des Jahres geäußerten pessimistischen Prognosen über eine
wirtschaftliche Talfahrt als Auswirkung des Irak-Krieges haben sich nicht
bewahrheitet. Die Einnahmen aus dem Suez-Kanal entwickelten sich
überdurchschnittlich positiv. Auch der Tourismus hat wieder angezogen. 2003
besuchten mit über 6 Mio. Gästen mehr Touristen das Land als je zuvor.
Deutschland stellte in 2002 mit über 730.000 Ankünften die stärkste
Besuchernation und lag 2003 mit ca. 693.000 Touristen auf Platz zwei nach
Italien. Die ägyptische Wirtschaft bleibt anfällig für exogene Faktoren, da
die Deviseneinnahmen zu über 50% aus dem Tourismusgeschäft,
Suez-Kanal-Einnahmen, Ölexporten und Gastarbeiterüberweisungen stammen.
Viel versprechender Wachstumsmotor der ägyptischen Wirtschaft ist die
Gasförderung. Die nachgewiesenen Gasvorkommen sind in den letzten Jahren stark
gestiegen. Die Exportkapazitäten werden erheblich ausgebaut: Pipeline nach
Jordanien, Syrien, Libanon sowie Verflüssigungsanlagen an der Mittelmeerküste
zum Gasexport nach Europa. Großangelegte petrochemische Projekte sind im
Aufbau.
Wirtschaftspolitik der ägyptischen Regierung
Soziale und politische Stabilität haben für die ägyptische Regierung
höchste Priorität. Wirtschaftliche Reformen kommen nur langsam voran.
Potentiell unpopuläre Entscheidungen wie Privatisierungen werden auch wegen
ihrer negativen Auswirkungen auf die Arbeitslosenquote nicht forciert. Es gibt
kein umfassendes Wirtschaftsprogramm zur weiteren Ankurbelung der Wirtschaft.
Der World Competitiveness Report 2001/02 des Weltwirtschaftsforums gibt
deutliche Hinweise auf ägyptische Defizite im Vergleich zu anderen Staaten der
Region. Dringender Nachholbedarf besteht u.a. bei der Förderung neuer
Technologien, Deregulierung des Arbeitsmarktes, Verbreitung und Nutzung des
Internets, Investitionsförderung bei Forschung und Entwicklung. Dringend
reformbedürftig sind der Banken- und Versicherungssektor, der Zoll, die
überbordende Bürokratie, die Beteiligung von Frauen im Wirtschaftsprozess
(viermal größere Arbeitslosigkeit bei Frauen als bei Männern) und das
Management, besonders auch bei den Ausbildungsinhalten (die Lehrpläne sind zum
großen Teil noch auf dem Stand der 60er Jahre).
Arbeitsmarktlage
Die größte Herausforderung für die ägyptische Regierung wird in den
kommenden Jahren die Schaffung neuer Arbeitsplätze sein, vor allem auch für
junge Akademiker. Schon heute sind über 3 Mio. Akademiker arbeitslos. Jedes
Jahr kommen fast 900.000 Schulabgänger neu auf den Markt, aber nur ca. 250.000
Jobs werden jährlich geschaffen.
Ägypten braucht, wie andere Staaten der Region auch, mehr Handel und
Investitionen zur Stimulierung von Wachstum und größerer wirtschaftlicher
Dynamik. Mehr Handel, vor allem aber eine weitere Liberalisierung des Handels
und mehr Investitionen sind essentielle Voraussetzung auch zur Reduzierung von
Armut, Anhebung des Lebensstandards der Mehrheit der ägyptischen Bevölkerung,
zur Schaffung neuer Arbeitsplätze und zur Verbesserung von Wissen, Fähigkeiten
und Produktivität des enormen ägyptischen Arbeitskräftepotenzials.
Wirtschaftsbeziehungen zur Europäischen Union
Das Gesetz zum Europa-Mittelmeer-Assoziierungabkommen vom 25.06.01 wurde von
Ägypten am 07.04.03 ratifiziert. Ein EU-Ägypten-Interimsabkommen ist am
01.01.2004 in Kraft getreten. Als "Block" ist die EU mit Abstand der
größte Handelspartner Ägyptens.
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