Außenpolitik
Grundlinien der Außenpolitik
Die ägyptische Außenpolitik sieht sich traditionell in drei Dimensionen,
einer arabischen, einer islamischen und einer afrikanischen. Die Präsidenten
Sadat und Mubarak ergänzten das Spektrum um die Hinwendung zu den USA, den
Ausgleich mit Israel und die aktive Unterstützung des Friedensprozesses im
Nahen Osten. Die ägyptische Diplomatie spielt in allen Gremien der Dritten
Welt, der Vereinten Nationen und der Zusammenarbeit mit Europa eine sichtbare
Rolle und fördert so im multilateralen Rahmen die eigenen Interessen gemeinsam
mit seinen Partnern.
Beziehungen zur Europäischen Union
Kairo strebt den Ausbau der Beziehungen zur Europäischen Union an. Die
Mitwirkung der EU an der Förderung des Nahost-Friedensprozesses wird begrüßt.
Gleichwohl betrachtet Ägypten aufgrund der jüngsten Entwicklungen die
Erfolgsaussichten der Umsetzung der "Roadmap" – des gemeinsamen
Friedensfahrplanes von VN, EU, USA und Russland - mit Skepsis.
Von der Entwicklung der Partnerschaft zur EU und der
Mittelmeer-Zusammenarbeit im Barcelona-Prozess erwartet Ägypten wirtschaftliche
und politische Impulse für sich und die Region. Es ist zu erwarten, dass das
Assoziationsabkommen zwischen der EU und Ägypten bald in Kraft tritt. Die
Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten (darunter auch Deutschland) und Ägypten haben
es bereits ratifiziert . Der Abschnitt zu den Handelsbeziehungen ist bereits
vorläufig in Kraft gesetzt worden.
Beziehungen zu den arabischen Nachbarstaaten
Seit der Rückkehr Ägyptens in die Arabische Liga 1990 ist Kairo wieder
Hauptsitz der panarabischen Organisation. Der langjährige ägyptische
Außenminister Amr Moussa wurde im März 2001 Generalsekretär der Liga. Seit
der Überwindung der ägyptischen Isolierung im arabischen Lager, die auf den
Friedensschluss mit Israel im Jahr 1979 folgte, hat Ägypten unter Präsident
Mubarak seine Führungsposition in der arabischen Welt weitgehend
zurückgewinnen können. Innerhalb der Arabischen Liga unterstützt Ägypten die
von Amr Moussa initiierten Reformbemühungen, die die Organisation effektiver
und handlungsfähiger machen sollen.
Beziehungen zu Israel
Ägypten hat seit 1979 mit dem Nachbarstaat Israel einen Friedensvertrag.
Seit Beginn des Prozesses setzt Ägypten sein politisches Gewicht für die
Schaffung einer dauerhaften Friedensordnung ein und nutzt sein Vertrauenskapital
bei Israelis und Palästinensern für die Überwindung von Hindernissen. Die
politischen Beziehungen zu Israel werden jedoch durch die Entwicklungen im
Nahost-Friedensprozess bestimmt. Seit Ausbruch der zweiten Intifada im September
2000 sind die Beziehungen zu Israel stark unterkühlt. Die ägyptische Regierung
hatte ihren Botschafter bereits im November 2000 aus Tel Aviv abberufen, der
Posten ist seither vakant.
Beziehungen zu den USA
Mit den USA verbindet Ägypten eine strategische Partnerschaft. Diese
schließt Meinungsverschiedenheiten in wichtigen außenpolitischen Fragen, wie
z.B. im Falle des Irak, nicht aus. Amerika schätzt die Unterstützung Ägyptens
im Kampf gegen den internationalen Terrorismus, und zwar nicht erst seit dem
11.09.2001.
Im Kontext des Nahost-Friedensprozesses und der Irak-Politik der USA bemüht
sich Ägypten, arabische Solidarität und Rücksichtnahme auf eine US-kritische
Öffentlichkeit einerseits und Loyalität zu seinem strategischen
Hauptverbündeten andererseits miteinander in Einklang zu bringen.
Beziehungen zu den afrikanischen Staaten
Neben der Unterstützung von Bemühungen um Stärkung gesamt-afrikanischer
Strukturen gilt Ägyptens besondere Aufmerksamkeit der Entwicklung am Horn von
Afrika. Die Beziehungen zu Sudan normalisieren sich in jüngster Zeit. Dies fand
seinen Ausdruck im Besuch Staatspräsident Mubaraks in Khartum im Juni 2003 und
der Tagung der Bilateralen Hohen Kommission im August 2003 in Khartum unter
Leitung von Premierminister Ebeid. Die Friedensbemühungen der
Regionalorganisation IGAD (Intergouvernmental Authority on Development) sowie
das Rahmenabkommen von Machakos vom Juli 2002 unterstützt Ägypten nach
anfänglichem Widerstand mittlerweile. Das schließt das Referendum ein, das
sechseinhalb Jahre nach Abschluss des Friedensabkommens stattfinden und der
südsudanesischen Bevölkerung auch die Option auf einen eigenen Staat
einräumen soll. Gemeinsam mit der Arabischen Liga plant Ägypten
Wiederaufbaumaßnahmen für den vom Bürgerkrieg schwer getroffenen Südsudan.
Gleichwohl verfolgt Ägypten aufmerksam alle Vorschläge, die auf eine
Neuaufteilung der Nilwasserquoten von 1929 durch andere Nilanrainerstaaten
zielen.
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